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10. August 2014

Sachsens CDU entdeckt den Baum für sich


Sachsens Ministerpräsident S. Tillich im CDU-Wahlwerbespot 2014. (Quelle: Youtube)

Sachsens Ministerpräsident S. Tillich im CDU-Wahlwerbespot 2014. (Quelle: Youtube)

Es ist leider schon Tradition, dass wir auf dieser Seite in Ermangelung guter Nachrichten fast nur über Baumfällungen berichten. Doch jetzt haben wir sie gefunden, die gute Nachricht. Und das an ganz unverhoffter Stelle. Im Wahlwerbespot des sächsischen Ministerpräsidenten, Stanislaw Tillich! Er umarmt einen Baum. Ja, Sie haben richtig gelesen.

Gut, zugegeben, die Geste ist nur ein Symbol. Und ja, nicht für die plötzlich entdeckte Liebe zur Natur, sondern für die Verwurzelung weggezogener Sachsen mit ihrer Heimat. Dennoch: Wir freuen uns auch über kleine Fortschritte. Denn immerhin: Der Ministerpräsident hat noch einen älteren Baum gefunden. So weit die gute Nachricht.

Da das Ende einer Wahlperiode auch gern zum Anlass genommen wird, um die zurückliegenden fünf Jahre Revue passieren zu lassen, blicken wir heute also zurück.

Es ist das Jahr 2010, als das berüchtigte Gesetz zur Vereinfachung des Umweltrechtes von CDU und FDP in Kraft tritt. Bäume in Kleingartenanlagen und auf Streuobstwiesen können seitdem generell ohne Genehmigung gefällt werden. Auf bebauten Wohngrundstücken gilt dies gleichermaßen für Pappeln, Birken, Weiden sowie Obst- und Nadelbäume. Und für alle anderen Bäume auch. Es sei denn, sie überschreiten den Stammumfang von einem Meter oder die Behörde reagiert nicht binnen drei Wochen auf den gestellten Fällantrag.

Baumfällungen sind auch auf den Liegenschaften des Freistaates auf der Tagesordnung: Im Jahr 2009 fielen 4.780 Bäume, 2010 waren es 6.263, 2011 6.479, 2012 6.106 und schließlich 2013 7.122. Als Grund wurde die Sicherung der Verkehrspflicht angegeben. Mit einem BGH-Urteil vom 6. März 2014 besteht die Hoffnung, dass unnötige Baumfällungen aus Gründen der Verkehrssicherung verhindert werden können. Kurz: Bei gesunden Straßenbäumen müssen keine besonderen Verkehrssicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Nur kranke Bäume sind zu fällen. Inwiefern und ob überhaupt Sachsens Staatsregierung diesen Spielraum zum Erhalt von Straßenbäumen nutzt, steht auf einem anderen Blatt. 'Gar nicht' lautete zumindest die Antwort der Regierung auf eine entsprechende Nachfrage von Gisela Kallenbach.

Kommen wir schließlich zum Wald: Auch um ihn steht es nicht zum Besten. Laut Waldzustandsbericht 2013 sind nur ein reichliches Drittel der sächsischen Waldfläche als gesund einzustufen. 38 Prozent bzw. 42 Prozent aller Buchen und Eichen verzeichnen "deutliche Schäden". In Sachsen dominieren gleichaltrige und artenarme Monokulturen von Nadelbäumen. Auf der Hälfte der rund 200.000 Hektar des Staatswaldes wachsen Fichten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes. Das wird wohl in diesem trockenen Jahr nicht ohne Folgen bleiben: Der Staatsbetrieb Sachsenforst warnt vor einer Borkenkäfer-Plage. 

Jetzt verstehen Sie, warum wir uns um so mehr freuen, dass es Sachsens Ministerpräsidenten gelungen ist, einen gesunden und älteren Laubbaum für seine Wahlwerbung zu finden.

 

 

 

 


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