
Schneeberg: Zwei etwa 150-jährige Buchen sollen am Postplatz einem Einkaufscenter zum Opfer fallen
Im Erzgebirgischen Schneeberg soll demnächst ein neues Einkaufszentrum entstehen. Dabei gibt es in dem Erzgebirsstädtchen bereits genügend Einkaufsmöglichkeiten. Dem Bau sollen zwei etwa 150 Jahre alte Rotbuchen zum Opfer fallen. Sie haben einen Stammumfang von 3.30 Meter bzw. 3.40 Meterm. Die Baugenehmigung ist erteilt, die Schneeberger Baumschutzkommission stimmte der Fällung zu. Die Kettensägen könnten also jeden Tag heulen.
Brief vom Nabu Aue-Schwarzenberg
"Zu fällen einen schönen Baum,
braucht’s eine halbe Stunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert."
Eugen Roth (1895-1976)
Die beiden Buchen haben auf etwas ungewöhnliche Weise Eingang in diese Broschüre gefunden. Unverhofft traten sie in unser Leben, mitten in der Arbeit an diesem Buch. Und ihr Schicksal erschien uns so exemplarisch, dass wir ihnen den Einzug in die Broschüre nicht verwehren wollten und unsere ursprünglichen Pläne leicht ändern mussten. Und das kam so.
Eine Zeitungsmeldung im Februar 2008 informierte darüber, dass die zwei über hundert Jahre alten Buchen am Postplatz einem Parkplatz für ein geplantes Einkaufszentrum in der alten Post zum Opfer fallen sollen. Sie bekamen allerdings noch einmal eine Schonfrist, weil die Planungen für das Einkaufszentrum ins Stocken geraten waren. Vielleicht trugen auch die Proteste aus der Bevölkerung ein wenig dazu bei, wer weiß das schon so genau.
Auf jeden Fall sind solche Meldungen auch für die heutige Zeit noch symptomatisch. Man ist offensichtlich immer noch nicht so weit, auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob ein geplantes Bauvorhaben auch unter Erhalt eines vorliegenden Baumbestandes zu realisieren wäre. Dass dies sicherlich nicht immer zu machen ist, steht außer Zweifel, aber bei einem Parkplatz kann das doch kein Ding der Unmöglichkeit sein, denkt sich zumindest der Laie.
Doch das ruft bei den zuständigen Planungsbüros wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln hervor. Baumfreunde sind dort offenbar selten vertreten und hundertjährige Buchen gehören nicht zu den Gegebenheiten, die einem schlaflose Nächte bereiten. Erst einmal wird Tabula rasa gemacht, damit man dann seiner Phantasie freien Lauf lassen kann. Das bestaunenswerte Ergebnis ist aber meist nicht viel mehr als die "kunstvolle Garnierung" mit ein paar Kugelrobinien oder Rotahornbäumen, die dann alljährlich akkurat gestutzt werden, ganz gemäß dem Schönheitsideal der zwischen ihnen parkenden Autobesitzer. Dies scheint man zumindest anzunehmen.
Aber stimmt es denn wirklich, dass den Menschen solche Albernheiten besser gefallen als der faszinierende Anblick von hundertjährigen Buchen? Wenn ja: Gute Nacht.
Man hört ja ab und zu, es soll in unserem schönen Vaterland Kommunen geben, in denen wegen der Wohn- und Lebensqualität der Erhalt wertvoller Gehölzbestände mittlerweile ein wichtiger Faktor bei allen Bauplanungen ist, auch wenn das zuweilen ein paar Euro mehr kostet. Vielleicht müssen wir ja nicht mehr lange warten, bis entsprechende "Rauchzeichen" auch in unserem schönen Erzgebirge aufsteigen? Das wäre eine dicke Zeitungsmeldung wert, finden wir, und verfolgen gespannt das Schicksal der beiden alten Buchen.


