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Baumfällungen am Weinske Deich sind gestoppt

Ein Teil der Bäume am Weinske Deich bei Torgau sind vorerst gerettet. Dank der massiven Proteste aus der Bevölkerung, von Umweltverbänden und der GRÜNEN auf allen politischen Ebenen wurde die Rodung bis Oktober vorerst gestoppt. Insgesamt konnten rund 60 von 100 Bäumen vor der Säge bewahrt werden. Darunter sind laut Aussage des Bürgermeisters von Elsnig, Karlheinz Herrmann, landschaftsprägende Solitäreichen mit Stammumfängen von rund 5,80 m. Für 40 Bäume kam die Einsicht allerdings zu spät.

Die Landestalsperrenverwaltung hatte die Fällung auf und am Weinskedeich im Namen des Hochwasserschutzes angeordnet, weil die Bäume die Standsicherheit der Deiche stark gefährden würden. Insbesondere wenn ein Sturm die Bäume umwerfe und ein Loch in den Deich reiße, sei der Schutz vor Überflutung nicht mehr gegeben, so die Begründung der DIN-Verliebten Deichbauer und Deichverteidiger. Wenn es nach ihnen ginge, würde es in unseren Flussauen bald keine Bäume oder Gehölze mehr geben. Diese behindern schließlich nicht nur den störungsfreien Abfluss, sondern erhöhen auch noch das Treibgutrisiko.

Naturschützer aus Torgau argumentierten dagegen, dass gesunde Bäume den  Deich durch ihre Wurzeln sogar stabilisieren können. Die Landestalsperrenverwaltung verkennt in ihrem Sicherheitswahn, dass es bei Hochwasser nicht nur darum gehen kann und darf, das Wasser schnell flussabwärts zu leiten, sondern den Hochwasserabfluss zu verlangsamen und in der Fläche zurückzuhalten. Sicher die DIN-Norm zum Deichbau erlaubt keine Bäume in der Nähe von Deichen. Doch DIN-Normen sind keine Gesetze sondern Empfehlungen! Laut dem deutschen Institut für Normung, ist die DIN-Norm so auszulegen, dass das angestrebte Sicherheitsmaß, durch Faktoren wie Schonung der Auen-Öko-Systeme oder der Erhaltung des Landschaftsbildes mitbestimmt wird. In einigen Fällen sind auch Bäume auf dem Deich erlaubt. Dies trifft insbesondere zu, wenn das Alter und der Gesundheitszustand der Bäume die Deiche nicht gefährdet. Dafür müsste man sich natürlich die Mühe machen, die Bäume zu untersuchen.

Die Elbaue in der Region Torgau ist FFH-Gebiet und stellt einen wertvollen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar. Hier haben Biber, Otter, Kranich, Rotmilan, Raubwürger, Neuntöter, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen und Eisvogel ein ungestörtes Refugium. Doch der hohe Schutzstatus als europäisches Schutzgebiet nützt der Umwelt wenig. Die Bäume dürfen trotzdem gefällt werden. Obwohl der betroffene Deich kein direkter Elbedeich ist, sondern nur ein Rückstaudeich für das Nebengewässer Weinske.

Chronik:
Kurz nach dem Aufschrei von Naturschutzbund (NABU) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der Torgauer Zeitung und per E-Mail folgte ein breiter Proteststurm von Natur- und Elbeschützern aus ganz Deutschland. Barbara Scheller, vom Regionalverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Nordsachsen ging an die Presse. Michael Weichert, MdL, beließ es nicht dabei, sondern forderte in seiner Presseerklärung einen Gesprächstermin bei Umwelt- und Landwirtschaftsminister Frank Kupfer (CDU). Dieser Termin unter vier Augen fand am 3. Februar statt. Am gleichen Tag reichte Gisela Kallenbach, grünes Mitglied des Europaparlaments, eine Parlamentarische Anfrage bei der EU-Kommission ein, die eine Untersuchung einleitete. Zeitgleich gingen unzählige Protestleserbriefe bei der Torgauer Zeitung ein. Am 4. Februar wurden die Baumfällungen von "ganz oben" vorerst gestoppt. Über die Gründe des plötzlichen Einlenkens kann viel spekuliert werden. Einer ist sicher der anstehende Wahlkampf im Superwahljahr 2009.

Die Weinske Aue ist allerdings nicht die einzige Region, in der die Landestalsperrenverwaltung derzeit die Kettensäge schwingt. Die FRAKTION BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag erreichen aus ganz Sachsen Anrufe von verärgerten Bürgerinnen und Bürgern. So wurden auch in Cossebaude die Streuobstbäume auf den Elbdeichen gerodet.

Statt blindem Aktionismus sollte die Landestalsperrenverwaltung sensibler mit den sächsischen Flusslandschaften umgehen. In Brandenburg wurden bei der Ertüchtigung der Oderdeiche wertvolle alte Baumbestände, darunter auch 200-jährige Eichen durch Augenmaß und Abwägung vor der Fällung bewahrt. Auch in den Niederlanden werden seit Jahrzehnten schon alte Bäume in sensiblen Stellen des Hochwasserschutzes stehen gelassen. Und die Niederländer haben Erfolg damit.

An der Weinske müssen wir nun in die Zukunft schauen. Dass die Baumfällung ausgesetzt wurden ist ein großer Erfolg. Doch was wird im Oktober, wenn der Wahlkampf vorbei ist? Schon jetzt muss eine Strategie entworfen werden, wie die Bäume an der Weinske endgültig gerettet werden können. Die GRÜNE-LANDTAGSFRAKTION plant hierzu für den Mai einen Workshop.

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